18 Apr 2017

Chinesische Küche - Völkerverständigung geht durch den Magen

Leben hautnah

Ich muss gestehen, trotz meiner Leidenschaft für exotisches Essen und kulinarische Abenteuer habe ich mich lange Zeit wenig für die chinesische Küche interessiert. Weder die immer gleich schmeckenden Gerichte in vielen europäischen Chinarestaurants noch die stereotypischen Bilder von chinesischen Märkten, auf denen Spiesse mit gebratenen Insekten, Schlangen und Skorpionen angeboten werden, wirkten besonders reizvoll auf mich. Und auch wenn mir schon irgendwie klar war, dass beides wahrscheinlich nicht der authentischen chinesischen Küche entspricht, fehlte mir bisher die Inspiration, mich einmal näher mit dem Essen in diesem faszinierenden Land zu befassen.


Diese lieferten nun die beiden Freiburger Studenten Lea und Martin, die die chinesischen Provinzen Sichuan und Yunnan bereisten und in ihrem Blog Weltwege von ihren Begegnungen mit der chinesischen Küche vor Ort berichten.

Chinesischer Markt

Schon beim Zuhören oder Lesen von Leas Beschreibungen kann einem das Wasser im Mund zusammenlaufen und es fällt nicht schwer, sich die farbenfrohen Märkte vorzustellen, auf denen frisch geerntetes Obst und Gemüse angeboten werden. An den Ständen türmen sich Berge an Chilis auf, unterschiedliche Kohlarten und verschiedenste Sorten Bohnen, grüne Blattgemüse, die an Spinat erinnern, sowie Ingwer und andere Wurzeln. Es gibt eingelegtes oder mariniertes Gemüse, reife Mangos und Papayas, Granatäpfel, Kakis, Sternfrüchte und leuchtend gelbe Buddhas-Hand-Zitronen. Und all dies wartet nur darauf, zu leckeren exotischen Gerichten verarbeitet zu werden.

Chinesischer Obstmarkt

Wie das funktioniert, lernen Lea und Martin von Luxi Yuan von der Kochschule Rice & Friends in Dali. „Kochen ist die universale Sprache unserer Art“, findet Luxi und teilt ihr Wissen über die chinesische Küche gerne mit Besuchern aus aller Welt. Auf ihren Reisen durch China und Europa hat Luxi nicht nur gelernt, wie man die unterschiedlichsten Gerichte aus den verschiedenen Regionen Chinas zubereitet, sondern auch, welche Zutaten man in Europa kaufen kann und wodurch sich typisch chinesische Obst- und Gemüsesorten hier ersetzen lassen. So können Luxis Kochschüler eines der wahrscheinlich besten Andenken überhaupt mit nach Hause nehmen: ein kleines Stückchen chinesische Kultur in Form von authentischen Rezepten, die sie jederzeit wieder kochen können.

Chinesischer Markt

Bei einer Food Tour in Luxis Begleitung haben Lea und Martin die Gelegenheit, tief in die lokale Kochkultur der Provinz Yunnan, fern von touristischen Lokalen und Märkten einzutauchen. In dem Dorf Xizhou nahe der Altstadt von Dali dürfen die beiden dabei helfen, Baba, eine Art chinesische Pizza, zu backen und Käse herzustellen und lernen ausserdem, wie Reisnudeln gemacht werden. Die Backstube, in der sie die Pizza zubereiten, gehört der Familie Aling und liegt in einer kleinen Strasse. Sie besteht aus zwei kleinen Räumen, die beide zur Strasse hin geöffnet sind. In einem der Räume werden Teig und Füllung – man kann sie herzhaft mit Schweinefleisch oder süss mit Rosenblütenmarmelade essen – vorbereitet, während Frau Aling in dem zweiten Raum mit beeindruckender Schnelligkeit die Babas knetet und füllt. Gebacken werden sie auf einem speziellen Ofen auf der Strasse, der aus einem Kohlebecken und einem Metallblech besteht, auf welches die chinesischen Pizzen gelegt werden. Ein kleines Tischchen neben dem Ofen dient als Verkaufsstand, um den sich Einheimische und Besucher tummeln. Xizhou ist berühmt für seine Babas, an denen sich nicht nur Lea und Martin sattessen. Auch für chinesische Touristen sind diese aussergewöhnlichen Pizzen eine Attraktion, die jeder einmal probiert haben muss.

Zubereitung eines chinesischen Gerichts

An einem anderen Tag lernen Martin und Lea mit Luxis Unterstützung weitere lokale Köstlichkeiten kennen, diesmal auf der Dachterrasse von Luxis Kochschule. Nach einem gemeinsamen Besuch auf dem Markt, auf dem sie alle nötigen Zutaten kaufen, bereiten sie nun selbst Pressed Tofu Salad, Fish Flavoured Eggplant (ein vegetarisches Gericht, das trotz des Namens keinen Fisch enthält)  und GongBao Chicken (bzw. eine vegetarische Variante davon für Lea) zu. Jeder Teilnehmer hat bei Luxis Kochkursen einen eigenen kleinen Platz mit einem Gaskocher, einem Wok und einem Topf, einem breiten chinesischen Küchenmesser, einem Brettchen sowie verschiedenen Schälchen, um die Saucen anzurühren. Diese sind das Wichtigste bei der Zubereitung dieser klassischen Gerichte und Luxi unterstützt ihre Schüler dabei, aus verschiedenen Sojasaucen, Essig, Reiswein und Gewürzen wie Ingwer, Knoblauch, Chili, Koriander und Sichuan-Pfeffer die perfekte Würze abzuschmecken. Während das Anrühren der Saucen und das Schneiden von Gemüse, Tofu, Chilis, etc. ganz entspannt vonstattengehen, ist beim Kochen selbst Schnelligkeit gefragt. Garzeit und Temperatur müssen genau stimmen, damit die Gerichte gelingen. Anschliessend essen alle gemeinsam, unterhalten sich und geniessen einen gemütlichen Abschluss dieser faszinierenden Reise in die lokale Esskultur.

Kochschule Rice & Friends

Du möchtest mehr über Luxis Kochkurs in der Dali Cooking School erfahren? Schau dir ein Video über ihre Arbeit in der Kochschule an und lass dich von chinesischen Gerichten inspirieren.

Autor

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Franka Leehr

Ich bin Sprachaholic, Globetrotter und Hobbyphotographin und liebe es, durch fremde Länder zu streifen und das Leben in anderen Kulturen kennenzulernen. Nach mehreren Jahren des Nomadendaseins auf dem europäischen Festland und den Britischen Inseln erkunde ich zurzeit meine deutsche Heimat mit neuen Augen.

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