15 Nov 2016

Zehn Tipps zum Sprachenlernen

Sprachdschungel

Egal, wie sehr man sich für eine Sprache begeistert, früher oder später erlebt selbst der eifrigste Sprachschüler Rückschläge oder ist gar versucht, ganz aufzugeben. Die zehn folgenden Tipps helfen dir, deine Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern und beim Lernen motiviert zu bleiben.

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1. Geh ins Ausland

Wenn du eine Fremdsprache wirklich lernen möchtest, pack deine Koffer und geh für eine Weile ins Ausland. Denn nirgendwo lernt man eine Sprache so gut wie im jeweiligen Land. Umgib dich mit Muttersprachlern und versuche, so gut es geht auf Deutsch zu verzichten.

Natürlich ist es nicht immer ganz einfach, in einem fremden Land zurechtzukommen. Mal machst du dir vielleicht Gedanken über deinen Akzent oder deine Grammatik, dann wieder fragst du dich, ob du dein Gegenüber gerade auch richtig verstanden hast. Deine Sprachfertigkeiten werden täglich auf die Probe gestellt - aber sie werden auch jeden Tag besser. Selbst wenn du am Anfang nervös bist und dich bei jeder Unterhaltung unbehaglich fühlst, sprichst du vielleicht früher oder später ohne darüber nachzudenken mit einem Taxifahrer oder dem Wachmann einer New Yorker Metrostation über “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins”.

Mach also das meiste aus deinem Auslandsaufenthalt und nutze die Sprache so viel wie möglich. Falls es dir aber doch einmal zu viel wird, gönn dir ruhig eine Auszeit mit Musik, Büchern, einem Film oder einem Gespräch in deiner Muttersprache.

Du wirst merken: Selbst wenn du die Sprache nach dem Auslandsaufenthalt noch nicht perfekt beherrschst, wirst du dich trotzdem sicherer und spontaner im Umgang mit ihr fühlen.

2. Lass dir Zeit

Eine Sprache zu lernen ist ein Marathon, kein Sprint. Bei dem Versuch, eine Fremdsprache innerhalb eines Monats fliessend zu beherrschen, powerst du dich nur unnötig aus. Versuche es stattdessen lieber mit kleinen, aber regelmässigen Lerneinheiten, beispielsweise einer Stunde täglich an fünf Tagen pro Woche. Das ist nicht nur einfacher, sondern auch effektiver, denn du brauchst Zeit, um Gelerntes zu verinnerlichen und dich zu erholen. Schließlich sind auch Pausen wichtig bei jedem Lernprozess. Anstatt dich damit unter Druck zu setzen, ein bestimmtes Sprachniveau bis zu einem bestimmten Datum erreicht zu haben, plane lieber langfristig und passe deinen Erwartungen den Möglichkeiten an.

3. Setz dir Ziele

Jemand, der klare Ziele hat, lernt in der Regel schneller als jemand ohne konkrete Vorsätze, denn Ziele motivieren und helfen, beim Lernen am Ball zu bleiben. Eine Kombination aus realistisch gesteckten kurzfristigen und längerfristigen Zielen ist dabei am effektivsten.

Wenn du dir vornimmst, bis zum Ende des Tages einen Artikel in der Fremdsprache zu lesen, eine Hausaufgabe fertigzustellen oder eine Folge deiner Lieblingsserie ohne Untertitel anzuschauen, sind das einfache und gut erreichbare Nahziele. Wichtig ist dabei allerdings nicht, dass diese Aufgaben einfach sind, sondern dass sie im von dir festgelegten Zeitraum geschafft werden können.

Langfristig kannst du dir dann höhere Ziele stecken. Versuche zum Beispiel, einen Roman in der Originalversion zu lesen oder ein Jahr lang täglich eine fremdsprachige Zeitung oder einen Blog einzusehen. Du kannst dich für eine Sprachprüfung anmelden oder eine Reise in das entsprechende Land planen. Auch wenn einige dieser Ziele zum jetzigen Zeitpunkt noch weit hergeholt scheinen, kannst du sie mit der richtigen Vorbereitung verwirklichen.

Zu guter Letzt: Lass dich nicht entmutigen, wenn du ein Ziel nicht erreichst. Such dir als nächstes ein einfacheres Ziel und steigere dich danach wieder.

4. Sprich, so viel du kannst

Sprachschüler verbringen viel Zeit mit Zuhören. Sie folgen dem Lehrer im Unterricht, lauschen den Dialogen in fremdsprachigen Filmen und dem Text ausländischer Musik. Zuhören ist ein wichtiger Teil des Lernprozesses, aber dabei darf das Sprechen auf keinen Fall vernachlässigt werden. Wenn du jede Gelegenheit nutzt, um dich auf einer anderen Sprache zu unterhalten, verbesserst du nicht nur deine Sprachfertigkeiten, sondern lernst auch von deinen Gesprächspartnern.


Eine gute Möglichkeit, das Sprechen zu üben, bietet sich beispielsweise bei Treffen von Couchsurfern oder in bilingualen Meetup-Gruppen. Auch ein Sprachtandem mit einem Partner, der deine Muttersprache lernen möchte, ist sinnvoll. Du wirst schnell merken, wie deine Hemmungen schwinden, wenn sich dein Gegenüber ebenfalls in einer Lernsituation befindet.

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5. Mach Fehler

Nicht nur Kinder dürfen Fehler machen, wenn sie zu sprechen anfangen. Auch beim Erlernen einer Fremdsprache hast du einen Freibrief dafür, alle möglichen Fragen zu stellen und dich verbessern zu lassen so oft du möchtest. An deinen Fehlern erkennst du nicht nur, welche Bereiche du noch üben musst. Sie helfen dir auch, dir das Richtige besser einzuprägen. Lass dich also von ihnen nicht entmutigen, sondern sprich und schreib, so viel du kannst, in der Gewissheit, dass du mit jedem Fehler dazulernst.

6. Verlieb dich in ein Stück fremde Kultur

Was machst du, wenn du dein Lieblingslied hörst? Du singst ohne nachzudenken mit, selbst wenn der Text nicht in deiner Muttersprache ist. Wahrscheinlich kennst du auch die besten Zeilen aus deinem Lieblingsfilm auswendig. Dinge, die wir lieben, lernen wir praktisch nebenbei.

Sich in einen Teil der Kultur zu verlieben ist die perfekte Voraussetzung, um eine Sprache zu lernen. Natürlich muss es kein Schauspieler und keine Musikgruppe sein. Du kannst dich in ein Lied verlieben, einen Film, einen Autor, ein Rezept oder ein Kunstwerk. Finde einen Aspekt der anderen Kultur, der dich fasziniert, und tauche ein!

7. Lies laut vor

Probiere einmal Folgendes: Such dir einen Abschnitt eines Textes aus, den du gut verstehst, und lies ihn dir selbst laut vor. Auf diese Weise machst du dich mit den Eigenheiten der anderen Sprache vertraut und gewöhnst deinen Mund und dein Gehirn daran, Wörter und Sätze so wie ein Muttersprachler zu benutzen. Ausserdem hast du so die Möglichkeit, an deinem Akzent zu arbeiten und dich selbst ohne äusseren Druck zu korrigieren. Übe jedes Wort und jeden Klang, so oft du möchtest.

8. Finde heraus, wie du am besten lernst

Beim Sprachenlernen macht man die ersten Schritte in der Regel mit einem Buch, ein paar Vokabeln und etwas Grammatik. Bei vielen Schülern kommt diese traditionelle Unterrichtsmethode gut an, aber nicht jeder lernt auf die gleiche Art und Weise am besten. Falls du nicht sicher bist, ob dies die richtige Methode für dich ist, nimm dir ruhig die Zeit, um herauszufinden, welche anderen Möglichkeiten es gibt. Wenn du Learning by Doing bevorzugst, ist vielleicht eine Konversationsgruppe kombiniert mit ein wenig traditionellem Unterricht am besten für dich geeignet. Umgekehrt kannst du dir eine Sprachschule oder einen Lehrer suchen, wenn du am besten in einem gut strukturierten Rahmen lernst. Falls du am liebsten am Computer arbeitest und zeitlich flexibel sein möchtest, ist ein Onlinekurs eine interessante Möglichkeit. Es gibt unendlich viele Optionen, also finde die richtige für dich.

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9. Lerne die Grammatik nebenbei

Weisst du im Deutschen immer genau, warum du wann welche Verbform oder welchen Satzbau benutzt? Wahrscheinlich nicht, aber trotzdem kannst du dich problemlos verständigen. Denn als Kind lernt man seine Muttersprache nicht durch das Pauken von Grammatikregeln, sondern indem man Eltern, Geschwistern und Freunden zuhört und ihre Worte und Sätze wiederholt.

Beim Erlernen einer Fremdsprache funktioniert es genauso. Denke daran, wenn du das nächste Mal beim Sprechen fieberhaft nach einer Zeitform suchst oder am richtigen Satzbau verzweifelst. Nimm die Regeln nebenbei auf und scheue dich auch nicht, dir von deinen Gesprächspartnern helfen zu lassen, dich richtig auszudrücken.

10. Entspann dich

Eine Fremdsprache zu lernen kann stressig sein und am Anfang ist es schwierig, eine tiefergehende Unterhaltung zu führen. Vergiss nicht, dass das ein Teil des Lernprozesses ist und jeder einmal so angefangen hat. Also entspann dich! Wenn du deine Muttersprache gelernt hast, kannst du auch jede andere Sprache meistern. Es ist nur eine Frage der Zeit bis du genau das sagen kannst, was du willst und wie du es willst.

Autor

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Franka Leehr

Ich bin Sprachaholic, Globetrotter und Hobbyphotographin und liebe es, durch fremde Länder zu streifen und das Leben in anderen Kulturen kennenzulernen. Nach mehreren Jahren des Nomadendaseins auf dem europäischen Festland und den Britischen Inseln erkunde ich zurzeit meine deutsche Heimat mit neuen Augen.

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