30 May 2017

Worin unterscheiden sich Junior- und Erwachsenenkurse?

Sprachdschungel

Beim Lernen einer Fremdsprache kann ein Aufenthalt im entsprechenden Land Wunder bewirken. Über einen längeren Zeitraum rund um die Uhr von einer Sprache und einer Kultur umgeben zu sein, kann jungen Menschen und auch Erwachsenen helfen, diese besser zu verstehen und sicherer anzuwenden und nicht zuletzt auch neue Motivation zu gewinnen.

Auch wenn Menschen in jedem Alter von Sprachaufenthalten im Ausland profitieren können, unterscheiden sich die Angebote jedoch je nach Altersklasse. Denn besonders für Jugendliche ist eine Sprachreise nicht nur eine Möglichkeit, eine neue Sprache zu erlernen, sondern auch ein besonderes Abenteuer. Viele reisen zum ersten Mal alleine ins Ausland, erleben so eine vollkommen neue Unabhängigkeit. Dennoch benötigen sie eine andere Betreuung als erwachsene Reisende. Hinzu kommen auch die unterschiedlichen Interessen jüngerer Menschen, die sich auf die Gestaltung des Freizeitangebotes nach dem Sprachunterricht auswirken.

Juniorsprachreisen weisen also im Vergleich zu Erwachsenenkursen einige Besonderheiten auf. Die wichtigsten Unterschiede werden im Folgenden erklärt.


Juniorkurse

An- und Abreise

Die An- und Abreise erfolgen in der Regel auf eigene Faust. Bei Jugendlichen bedeutet dies, dass die Eltern ihre Kinder entweder selbst hinbringen oder zumindest den Flug oder die Zugfahrt für sie buchen und – falls notwendig – auch eine Flugbegleitung organisieren. Alternativ kann die Organisation auch vom Reiseveranstalter übernommen werden, der sich dann um Flüge und Flugbegleitungen kümmert. In einigen Fällen reisen die Jugendlichen bereits in einer Gruppe an und können sich so auf der Fahrt schon einmal kennenlernen. Nach Ankunft im Zielland kann der Transfer vom Bahnhof bzw. Flughafen je nach Alter optional oder obligatorisch dazu gebucht werden. Erwachsene Sprachreisende haben hingegen die Wahl, ob sie dieses Angebot buchen oder die Weiterreise zur Unterkunft selbstständig vornehmen möchten.

Unterkunft

Ein Aufenthalt in einer Gastfamilie ist ideal, um einen Einblick in das alltägliche Leben anderer Kulturen zu erhalten und die Verständigung in alltäglichen Situationen erfolgreich zu meistern. Ein grosses Augenmerk liegt daher auf der Auswahl der Gastfamilien. Diese haben entweder eigene Kinder im Haushalt oder Erfahrung mit jugendlichen Sprachschülern, sodass die Sprachreisenden sich auf eine tolle Zeit mit Gastgeschwistern und -eltern freuen können. Auch liegt das Haus der Gastfamilie bei Jugendprogrammen nach Möglichkeit nahe der Sprachschule, wohingegen die Unterbringung bei Erwachsenen auch weiter vom Kursgebäude entfernt sein kann.


Alternativ  können Sprachschüler auch in Zwei- bis Vierbettzimmern in einem Schulwohnheim unterkommen. Hier haben sie die Möglichkeit, beispielsweise bei gemeinsamen Gesellschaftsspielen oder einem Austausch über ihre Hobbys oder aktuelle Musiktrends, junge Sprachreisende aus anderen Ländern kennenzulernen und neue Freundschaften zu schliessen.  Unabhängig von der Art der Unterkunft ist die Verpflegung bei Juniorkursen in der Regel Vollpension, während für Erwachsene bei einem Gastfamilienaufenthalt meist Halbpension angeboten wird.

Gastfamilie

Gruppen

Studenten aus der ganzen Welt treffen bei den Sprachkursen aufeinander und praktizieren die Sprache auch im gemeinsamen Umgang. Bei Juniorkursen werden die Sprachschüler neben der Berücksichtigung der schon vorhandenen Sprachkenntnisse meist in ihre jeweiligen Altersgruppen eingeteilt, um so ein grösseres Zusammengehörigkeitsgefühl zu gewährleisten. Bei den Erwachsenenkursen kann das Alter innerhalb der Lerngruppen hingegen stark variieren, da diese in Standardkursen ausschliesslich nach ihrem Sprachniveau eingeteilt werden.


Kurse

Die Leitung der Kurse übernehmen kompetente, muttersprachliche Lehrer, die ihren Schülern die Sprache in alltagsnahen Situationen vermitteln. Die meisten Sprachschulen bieten Jugendprogramme während der Ferienzeiten im Frühling, Sommer und Herbst an, wohingegen Erwachsenenkurse sowie einige ausgewählte Jugendkurse das ganze Jahr über stattfinden.

Während Erwachsene die Anzahl der Lektionen pro Woche ganz individuell buchen können, ist diese bei Juniorkursen in der Regel auf 15 oder 20 Wochenlektionen festgelegt. Einschreibegebühr, Einstufungstest, Kurszertifikat sowie ein Willkommenspaket mit Schulmaterialien sind bei Jugendprogrammen meist inbegriffen. Erwachsene entrichten hingegen in der Regel eine extra Gebühr für die Einschreibung und die Lernmaterialien.


Sprachkurse

Freizeitprogramm

Die Angebote hinsichtlich des Freizeitprogrammes können je nach Zielland und Schule stark variieren. Jüngere Reisende benötigen meist auch am Nachmittag eine altersgemässe Betreuung und können an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen, bei denen sie die Gelegenheit haben, auch die Sprache noch einmal ausserhalb des Unterrichts anzuwenden. Unbedingt sollte vorher abgeklärt werden, ob das Freizeitprogramm einer Schule als freiwilliges Angebot gilt oder aber aufgrund der Aufsichtspflicht obligatorisch ist. Es gibt auch Jugendprogramme, die kein festes Nachmittagsprogramm vorsehen. In diesem Fall können die Aktivitäten nach dem Unterricht mit Hilfe von Mitarbeitern der Schule organisiert werden.


Die Freizeitaktivitäten der Juniorkurse sind speziell auf die Interessen der Jugendlichen ausgerichtet und können entweder ein bunt zusammengestelltes Programm an verschiedenen Unternehmungen umfassen oder sich auf eine bestimmte Aktivität konzentrieren. Den Sprachschülern werden meist zahlreiche Angebote gemacht, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Während die einen sich zum Beispiel sportlich betätigen, gibt es für andere kreative Workshops, die landestypische Traditionen aufgreifen. So wird bald gemeinsam Fussball oder Volleyball gespielt, eine neue Wassersportart wie das Segeln ausprobiert oder in der Gruppe zu irischer Musik getanzt. Andere Beispiele für das Freizeitprogramm nach dem Unterricht sind Filmabende, Bowling, Disko oder Spieleabende. Am Wochenende findet oft ein organisierter Ausflug in die nähere Umgebung statt, bei dem die Studenten die Gelegenheit haben, eine neue Stadt kennenzulernen, ein Schloss oder ein Museum zu besichtigen oder einen Besuch im Zoo oder im Erlebnisbad zu geniessen.


Bei der Kombination von Sprachkurs und Hobby ist das Programm etwas weniger abwechslungsreich. Stattdessen haben die Studenten die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich gezielt auszubauen. In der Regel findet am Vormittag der Sprachunterricht und am Nachmittag ein Training in der jeweiligen Disziplin statt. So können Jugendliche beispielsweise nach ihrem Spanischunterricht in San Sebastián surfen gehen, an der irischen Westküste die Disziplinen des Reitens, Rugby oder Golfs lernen, in Manchester Fussball spielen oder beim Tennis in Nizza ihre Rückhand verbessern.


Natürlich haben auch erwachsene Sprachreisende die Möglichkeit, am Nachmittag verschiedene Aktivitäten auszuüben. Diese sind entweder kostenfrei oder können zu einem geringen Selbstkostenpreis hinzu gebucht werden.


Sprachkurse und Aktivitäten

Beispiele für Schulen mit Jugendprogramm

Speziell für ältere Jugendliche kann das Freizeitprogramm also ein besonders wichtiger Faktor bei der Suche nach einer geeigneten Sprachschule sein. 14- bis 17-Jährige können im Vorfeld entscheiden, ob sie lieber an verpflichtenden, organisierten Aktivitäten teilnehmen oder selbstständiger in der Gestaltung ihrer Freizeit sein möchten. Zwei Partnerschulen von Yalea, die sich in der Struktur ihrer Juniorkurse stark unterscheiden sind, beispielsweise Globe Exeter und St Giles. Die rund drei Fahrstunden von London entfernte Schule Globe Exeter hat sich auf ganzjährig stattfindende Jugendkurse spezialisiert und organisiert auch ein festes Nachmittagsprogramm mit Aktivitäten nach dem Sprachunterricht. Auch am Wochenende unternehmen die Teilnehmer der Explorer Kurse für 7- bis 10-Jährige und der Discovery Programme für die Altersgruppen von 11 bis 14 sowie 15 bis 19 gemeinsame, spannende Ausflüge. Die weltweit vertretene Sprachschulkette St Giles bietet hingegen an den meisten ihrer Standorte Jugendprogramme nur innerhalb der Ferienzeit an. Davon ausgenommen sind die Schulen in Eastbourne und London Highgate, wo 14- bis einschliesslich 17-Jährige das ganze Jahr über in Klassen mit Gleichaltrigen unterrichtet werden. Zwar gibt es auch hier ein attraktives Nachmittagsprogramm, jedoch sind diese Aktivitäten für die Studenten nicht verpflichtend.


Juniorkurse unterscheiden sich also in ihrer Struktur und im Unterrichts- und Freizeitangebot nicht nur von Erwachsenenkursen, sondern auch – abhängig von Land, Schule, Art der Unterkunft und dem gewählten Programm – stark untereinander. So können jüngere Sprachschüler unter qualifizierter Aufsicht ein fremdes Land kennenlernen und selbstständige Jugendliche auch ihren eigenen Freiraum geniessen. In ihren Gastfamilien erhalten sie einen Einblick in das Alltagsleben im jeweiligen Land. Im Schulwohnheim, bei den Aktivitäten und im Unterricht mit Altersgenossen aus aller Welt haben sie die Gelegenheit, Freundschaften über Ländergrenzen hinweg zu schliessen. Zu guter Letzt lernen sie bei einem Juniorkurs nicht nur, eine Sprache besser zu verstehen und ihre Angst vor dem Sprechen zu überwinden, sondern tun auch erste Schritte in Richtung Eigenständigkeit und gewinnen so auch zusätzliches Selbstvertrauen.


Autor

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Franka Leehr

Ich bin Sprachaholic, Globetrotter und Hobbyphotographin und liebe es, durch fremde Länder zu streifen und das Leben in anderen Kulturen kennenzulernen. Nach mehreren Jahren des Nomadendaseins auf dem europäischen Festland und den Britischen Inseln erkunde ich zurzeit meine deutsche Heimat mit neuen Augen.

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