21 Aug 2018

Sláinte! - Irisch für Anfänger

Sprachdschungel

Irland ist bekannt als altes und mystisches Land, voll von natürlicher Schönheit, freundlichen Einheimischen und geprägt von seiner langen und reichhaltigen Geschichte. Die ersten Einwohner der Insel waren die Kelten, die sich bereits vor rund 10.000 Jahren hier ansiedelten. Ihr kultureller Einfluss war enorm und ist unter anderem in den Bereichen der Kunst, Literatur und besonders der Sprache selbst heute noch spürbar.

Die Geschichte der irischen Sprache

Tatsächlich sind die ältesten Zeugnisse einer niedergeschriebenen Volkssprache in Westeuropa in der irischen Literatur zu finden. Zu den frühesten Beispielen zählen die sogenannten Ogham-Inschriften aus dem 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Die in die Oghamsteine eingeritzten Schriftzeichen gehören zu einem mittelalterlichen Alphabet, mit dem die irische Sprache niedergeschrieben wurde.

Als sich im 17. Jahrhundert die englische Vormachtstellung in Irland verstärkte, betrachteten die Engländer den Gebrauch der irischen Sprache als Bedrohung und versuchten, ihn so weit wie möglich zu unterbinden. Noch weiter ging die Zahl der Irisch sprechenden Menschen im 19. Jahrhundert zurück, als ein Viertel der Bevölkerung entweder der Grossen Hungersnot von 1845 bis 1852 zum Opfer fiel oder in deren Folge auswanderte. Erst mit seiner Unabhängigkeit von der englischen Monarchie im 20. Jahrhundert leitete die Republik Irland schliesslich auch Massnahmen zur Wiederbelebung des Irischen ein und erklärte es zur offiziellen Landessprache. Strassen, Orte, Behörden und öffentliche Gebäude sind seither stets auf Englisch sowie auf Irisch ausgeschildert und in den Schulen wird Gälisch heute als Pflichtfach von der Grundschule bis zum Abschluss unterrichtet. Auch die Medien und das Internet dienen immer mehr als Plattformen, um das Irische weiter zu propagieren.

Irisch 1

Obwohl das Gälische den verfassungsrechtlichen Status der ersten offiziellen Nationalsprache der Irischen Republik geniesst und eine offiziell anerkannte Minderheitensprache in Nordirland ist, wird es in Wirklichkeit nur von einer kleinen Minderheit der Iren in der “Gaeltacht” - hierzu gehören Regionen in den westlichen Counties Donegal, Mayo, Kerry und Cork - als erste Sprache gesprochen. Eine grössere Gruppe spricht Irisch als Zweitsprache, doch laut einer Erhebung aus dem Jahr 2011 gebrauchen nur 5-10% der Bevölkerung wirklich aktiv die irische Sprache. 

Irisch 2

Besonderheiten

Gälisch unterscheidet sich sehr von den meisten anderen Sprachen, die wir lernen oder hören. Einige seiner Besonderheiten sind:


1. Es gibt kein “Ja” oder “Nein” im Irischen. 

Wörter für “Ja” oder “Nein” gibt es nicht, aber natürlich kannst du auch im Irischen Fragen beantworten. Deine Zustimmung oder Ablehnung gibst du einfach durch die Verbform kund. So würde beispielsweise die Antwort auf die Frage “Möchtest du ein Pint Guinness?” lauten: “Ich möchte ein Pint Guinness”.


2. Der Satzbau ist Verb, Subjekt, Objekt. 

Während man im Deutschen sagen würde “Ich sah einen Vogel.”, lautet der Satz im Irischen “Sah ich einen Vogel.” Diese Wortabfolge ist sehr selten und wird nur von 9% aller Sprachen verwendet.


3. Die Begriffe für Zahlen unterscheiden sich, je nachdem, was man zählt. 

Das Irische verfügt über einen Zahlensatz für das Rechnen sowie für Zeiten und Daten, einen weiteren, um Menschen zu zählen, und einen dritten, um beispielsweise Tiere zu zählen. So sind fünf Kinder beispielsweise “cúigear páiste”, während fünf Pferde “cúig chapall” sind.


4. Der Anfang eines Wortes verändert sich je nach seiner Funktion 

Dies ist eine der ungewöhnlichsten Eigenarten der irischen Sprache. Das Wort für “Frau” kann alles von “bean” über “bhean” bis hin zu “mbean” sein, je nachdem, ob es auf bestimmte Possessivpronomen, Präpositionen, Zahlen oder eine ganze Reihe anderer Bedingungen folgt. In den meisten Sprachen sind nur die Endungen der Worte veränderlich, aber im Gälischen können sich sowohl der Anfang als auch die Endung eines Wortes ändern. 


5. Es gibt kaum unregelmässige Verben

Wie zur Entschädigung für seine sonstigen Eigentümlichkeiten hat das Irische nur 11 unregelmässige Verben. Damit unterscheidet es sich zum Beispiel stark vom Englischen, welches im normalen Sprachgebrauch mehr als 80 unregelmässige Verben hat.


6. Es hat seine Spuren in dem in Irland gesprochenen Englisch hinterlassen 

In vielen Teilen Irlands weisen englische Sätze eine dem Gälischen ähnliche Struktur auf. Hier sind einige typische Ausdrücke, die für die meisten Englischsprecher keinen Sinn machen, für Iren jedoch vollkommen verständlich sind: “I’m after eating me breakfast.”  bedeutet “Ich habe gerade gefrühstückt”, “I gave out about the terrible service.” heisst “Ich habe mich über den schlechten Service beschwert.” und “He does be working every day.” betont, dass er wirklich jeden Tag arbeitet.

Irisch 3

Redewendungen

Auch wenn Englisch die am meisten genutzte Sprache in Irland ist, hat sich auf der grünen Insel ein sogenanntes “Hiberno-Englisch” entwickelt, welches die Grammatik des Irischen ins Englische übertragen hat und sich in einigen typischen Redewendungen wiederfindet. Folgende Ausdrücke werden dir in Irland mit Sicherheit begegnen, wenn du mit einem Einheimischen sprichst oder im Pub einer Unterhaltung lauschst.  

“C’mere till I tell you.” - “Komm zu mir, damit ich dir erzählen kann.”
Dies ist ein einleitender Satz, wenn du jemandem etwas erzählen möchtest. Das Wörtchen “till” heisst im irischen Englisch nicht nur “bis”, sondern auch “damit”. 


“You never asked if I’d a mouth me.” - “Du hast mich nicht gefragt, ob ich hungrig bin.” 


“Sure, you know yourself.” - alles Mögliche
Der Ausdruck kommt ständig zum Einsatz und kann im Grunde alles und nichts bedeuten. Während sich mit “Sure, you know yourself” auf elegante Art lange Erklärungen oder Antworten auf unliebsame Fragen vermeiden lassen, kannst du mit dem Satz aber auch eine Reihe von Emotionen wie Zustimmung, Ermutigung oder Mitgefühl ausdrücken.


“Banjaxed” - “kaputt/ausgepowert”
Der Begriff wird sowohl für Gegenstände als auch für Personen verwendet und drückt aus, dass etwas kaputt oder jemand total ausgepowert ist. 


“Quare” - “seltsam/gross”. 
Je nach Kontext nimmt das Wort unterschiedliche Bedeutung an: “a quare fellow.”, für “komischer Typ” oder “a quare horse!” für “ein grosses Pferd”. Vor einem anderen Adjektiv bedeutet “quare” schlicht und einfach “sehr”.


“There” - Satz-Beender
Das Wort sollte nicht mit dem Lokaladverb “dort” verwechselt werden. Es wird am Ende eine Satzes verwendet, unabhängig vom Thema: “I hadn’t seen him in ages there!”, heisst “Ich habe ihn sehr lange nicht gesehen.” 


“Dead on!” - “Perfekt”
Drückt aus, dass etwas (v.a. eine Person oder eine Vereinbarung) gut ist. Mary: “I’ll meet you at two for lunch.” Patrick “Dead on!”


“Doll / Lad” - “Mädchen / Jungen”


“Craic” - “Spass / Wie geht’s?”  
Alleinstehend heisst “craic” Spass, z.B. bei einer Party oder einem Abend mit Freunden. Die Frage “What’s the craic?” hingegen bedeutet “Wie geht’s?” oder “Was gibt’s Neues?” (und kann übrigens sehr gut mit dem Satz “Sure, you know yourself” beantwortet werden.)


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Irisch-Starter-Packet

Wenn du die oben genannten Ausdrücke und Redewendungen in Irland wie selbstverständlich in eine Konversation einfliessen lässt, wirst du von den meisten Einheimischen anerkennende Blicke ernten. Umso grösser wird die Begeisterung, wenn du zudem noch einige Worte auf Irisch hinzufügen kannst. Und besonders die Menschen in der Gaeltacht werden deine Bemühungen, die Landessprache zu sprechen, zu schätzen wissen.

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Autor: TeaTime-Mag

Aus dem Englischen übersetzt von: Franka Leehr

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