1 Nov 2016

Arbeiten in China

Karriere Weltweit

Bevor ich nach China gereist bin, hatte ich eine sehr verträumte Vorstellung vom Reich der Mitte, diesem Land der Erfinder des Kompasses und des Papiers. Ich dachte an exotisches Essen und farbenfrohe Gewänder, an Strassenfeste und Kampfkünste, an Drachen und an Feuerwerke. Was mich in der Millionenstadt Shanghai erwartete, sah allerdings anders aus. Harte Arbeit und ein grauer Schleier aus Smog begleiteten dort meinen Alltag und erst bei einem genaueren Blick unter diese graue Oberfläche lernte ich China als das faszinierende und traditionsreiche Land kennen, von dem ich geträumt hatte.


Wenn auch du in China arbeiten und in seine jahrtausendealte Kultur eintauchen möchtest, findest du hier nützliche Tipps für deine Jobsuche und das Leben in China.

Einreise

Einfacher geht es mit einem Umweg über Hongkong. Dort gibt es diverse Agenturen, die das Touristenvisum für dich beantragen. Wie die das ohne die nötigen Nachweise machen, möchte ich lieber gar nicht so genau wissen.

Wenn du bereits ein Arbeitsangebot aus China hast (Glückwunsch!), kümmert sich deine Firma um das Arbeitsvisum. Möchtest du jedoch erst vor Ort auf Jobsuche gehen, brauchst du ein Touristenvisum, das vor Antritt der Reise genehmigt werden muss. Dafür musst du ein Ticket für Hin- und Rückflug, Hotelbestätigungen für jeden Tag deines Aufenthaltes und einiges mehr nachweisen. Dies ist sehr umständlich, besonders weil du ja während der Jobsuche nicht nach 30 Tagen wieder ausreisen möchtest.

CityViewShanghai

Arbeitssuche

Wenn du fliessend Englisch sprichst, wirst du auf verschiedenen Job Boards schnell fündig werden. Gute Chancen hast du dann zum Beispiel in Berufen wie Übersetzer, Sprachlehrer und Reiseführer, oder auch in der Hotellerie und Gastronomie. Mit den folgenden Job Boards habe ich gute Erfahrungen gemacht:

Nach etwa einer Woche hatte ich mein erstes Vorstellungsgespräch bei einer chinesischen Firma, die Übersetzungen für Webseiten anbot. Die Stelle habe ich zwar bekommen, aber die Arbeitsbedingungen empfand ich trotzdem als unzumutbar und die Bezahlung als nicht angemessen.

Sobald du eine Stelle angenommen hast, benötigst du ein Arbeitsvisum. Bei der Beantragung wird dir,  je nach Firma und Position, von deinem Arbeitgeber geholfen.

Arbeitsbedingungen

Expats verdienen in China im ersten Job meist zwischen 6000 und 10000 Renminbi (das entspricht 800-1300€) und haben ungefähr 8 Urlaubstage pro Jahr. Chinesen verdienen für gewöhnlich weniger Geld und haben auch weniger Urlaub. Die Arbeitsbedingungen bei chinesischen Firmen sind für alle recht hart. Oft gibt es einen Aufseher, der dafür sorgt, dass das Sprechverbot eingehalten und auch wirklich hart gearbeitet wird. Aber auch dort gibt es positive Seiten, wie zum Beispiel die Möglichkeit, nach dem Mittagessen einen kurzen Mittagsschlaf zu machen.


In einer internationalen Firma sind die Arbeitsbedingungen ein bisschen angenehmer. Dort ist das Sprechen während der Arbeitszeit erlaubt und man darf auch ausserhalb der Mittagspause auf die Toilette gehen. Solltest du an eine chinesische Firma geraten, kündige lieber und suche dir etwas besseres. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten in China und gerade deutschsprachige Bewerber sind sehr gefragt.

Shanghai

Anschluss finden

In Grossstädten wie Shanghai gibt es Stadtviertel, in denen es von Expats nur so wimmelt. Man findet deutsche Stammtische, die sich einmal im Monat treffen und austauschen, und es gibt Bars, in denen die Getränkekarten auf Englisch sind und man andere internationale Leute trifft.

Unter Chinesen ist es schwieriger, Anschluss zu finden, denn als Europäer fällt man nicht nur optisch auf. (Erst nach einem Monat in meinem Job konnte ich in die Kantine gehen, ohne die ganze Zeit angestarrt zu werden!) Auch der kulturelle Unterschied ist stark zu spüren und macht es schwer, chinesische Freunde zu finden.

Auf die Frage, was meine Kolleginnen in ihrer Freizeit machten, erwiderte eine: “Schlafen und essen”. Die meisten Mädels in meinem Alter waren noch nie in einer Bar und als ich eine andere Kollegin einmal fragte, ob sie einen Freund habe, antwortete sie: “Nein, ich möchte noch nicht heiraten“.

In Momenten wie diesen fühlt man sich wie aus einer anderen Welt und trotz meiner Bemühungen blieb mir vieles in China während meines gesamten Aufenthaltes fremd.

Dinge, an die ich mich nicht gewöhnen konnte:

  • Analphabetin sein: Nicht lesen und schreiben zu können war eine der härtesten Erfahrungen in China. Strassenschilder, Speisekarten … nichts versteht man.
  • Nicht sprechen können: Die chinesische Sprache ist schwer zu lernen. Das gesprochene Chinesisch umfasst sieben Hauptsprachen sowie eine Vielzahl von Dialekten. Diese können ihrerseits fast als Sprachen bezeichnet werden, da sie sich (gesprochen) fast genauso stark voneinander unterscheiden wie die romanischen Sprachen untereinander. Mein Chinesisch beschränkte sich also auf “Nǐ hǎo” (hallo) und “Xièxiè” (danke).
  • Die Essgewohnheiten: Mit Stäbchen essen zu lernen, war sehr witzig. Nicht so schön war es aber, die Essgewohnheiten anderer Chinesen mit anzusehen. Schmatzen, schlürfen und mit offenem Mund zu essen, gehört in China mit dazu.
  • Die Pollution: Die Luftverschmutzung in Grossstädten wie Shanghai ist unvorstellbar. An schlechten Tagen kann man gerade noch das gegenüberliegende Gebäude erkennen. Wenn man sich dann draussen aufhält, ist ein Mundschutz unverzichtbar, da man den Staub auf der Zunge schmecken kann.
  • Mangelnde Sauberkeit: Eine andere seltsame Angewohnheit der Chinesen ist, dass sie überall hinspucken. Und ich meine überall: auf den Strassen, in der Metro oder in den Mülleimer im Büro. Erklärt hat mir ein Chinese dieses Verhalten so: Die Dämonen finden ihren Weg in den menschlichen Körper durch den Mund. Durch das Räuspern und Spucken wird man diese Dämonen wieder los.

Natürlich hat China aber auch seine reizvollen Seiten und vieles, was ich dort kennengelernt habe, fehlt mir seit meiner Abreise.

Dinge, die ich vermisse:

  • Die Vielfalt an Tees: China hat die tollste Teekultur, die ich je gesehen habe. Wenn man sich dafür interessiert, kann man sich Museen anschauen und an Verkostungen teilnehmen. Besonders hat mir ein Tee gefallen, der trocken wie eine Kugel aussieht, sich im heissen Wasser aber zu einer Blume entfaltet. In einem schönen Glas kann man diese auch noch als Dekoration verwenden.
  • Tai Chi im Park: Trotz der Luftverschmutzung sind die Chinesen ein sehr aktives Volk. In nahezu allen öffentlich Parks gibt es Trainingsgeräte, kostenlose Tennisplätze oder ähnliches. Ob morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause, oder abends: die Chinesen versammeln sich, um Sport zu treiben, Kampfkünste und Tai Chi auszuüben und zu tanzen.
  • Schlafen auf Arbeit: In vielen chinesischen Firmen ist es üblich, nach dem Mittagessen einen kleinen Powernap zu machen. In der Firma, in der ich arbeitete, hatten viele ihr eigenes Kissen dabei und haben es sich für 15-20 Minuten auf dem Schreibtisch bequem gemacht. Das vermisse ich in der westlichen Kultur sehr. Da heisst es: Kaffee trinken, um das Mittagstief zu überstehen.
  • Grösser sein als alle anderen: Ich bin mit 1.65m nicht unbedingt gross, aber in China war ich oft die grösste Person im Raum. Egal ob im Kino, in der Metro oder auf der Strasse: freie Sicht. ;-)
  • Weisse Haut ist toll!: Mein Leben lang habe ich mich geärgert, dass ich so blass bin und auch am Strand und in der Sonne keine gesunde Bräune bekomme. In China gilt weisse Haut hingegen als Schönheitsideal, sodass mich viele Chinesinnen darauf angesprochen haben. Es gibt sogar Cremes zum Weissen der Haut und im Sommer haben alle ein Sonnenschirmchen dabei.
Blütentee

Mein Fazit

Das Leben und Arbeiten in China ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. China ist ein Land, in dem die Errungenschaften der Moderne (samt unliebsamer Begleiterscheinungen) auf eine jahrtausendealte Kultur treffen. Es ist ein Land, in dem einem vieles fremd erscheint, aber auch ein Land, das einen immer wieder überraschen kann. Es ist auf jeden Fall einen Besuch wert.
Viel Spass und Zàijiàn!

Autor

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Janina Karow

Janina verstärkt seit Januar die IT-Abteilung von Yalea. Bevor sie in Chile vorerst sesshaft wurde, lebte sie in neun verschiedenen Ländern. Dabei hat sie unter anderem als Tauchleherin in Thailand und als Barista in Australien gearbeitet.

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