12 Dec 2017

Volunteer im Bioparque Amaru in Cuenca, Ecuador

Erfahrungsberichte

23. April bis 21. Mai 2017

Am Sonntagmorgen kam ich in Cuenca mit dem Nachtbus von Quito an. Mit dem Taxi fuhr ich durch die verschlafenen Gässchen zu meiner Gastfamilie. Lourdes, meine Gastmutter, empfing mich und zeigte mir mein Zimmer, das nun für die nächsten 4 Wochen mein Zuhause sein  sollte.


Am nächsten Tag, ausgeruht und erwartungsvoll, hatte ich meinen ersten Spanischunterricht in der Fundación Amauta. Daisy war meine Lehrerin. Ich hatte Einzelunterricht von 8.30 bis 11.30 Uhr. Momentan hatte es nicht viele andere Spanisch-Studenten an der Schule. Neben mir waren noch ein älteres kanadisches Pärchen und eine ältere Frau aus England diese Woche im Unterricht. Am Nachmittag führte Daisy uns vier Studenten auf einen Stadtrundgang. Sie zeigte uns die Kirche, die Stadtverwaltung, verschiedene Plätze und einen der Märkte.  Zum Abschluss besuchten wir noch ein Hutmuseum.

Ecuador

Der nächste Tag begann mit Spanischunterricht am Morgen. Am Nachmittag hatte ich meinen ersten Tag im Bioparque Amaru. Der Einsatz der Freiwilligenarbeit wurde von der Schule koordiniert und sie hatten mir das Taxi und den ersten Arbeitstag organisiert. Der Zoo lag etwas ausserhalb der Stadt auf einem Hügel und hatte zwei Zugänge. Der Eingang für die Besucher war nur mit dem Taxi oder privatem Auto erreichbar und war sehr abgelegen. Deswegen wurde mir abgeraten, zu Fuss diesen Weg zu gehen. Der Eingang für die Arbeiter und wo ich mit dem Taxi hingefahren wurde, war in der Nähe eines Dörfli, wo auch ein Bus hinfuhr. Ich wurde vom Chef Ernesto höchstpersönlich begrüsst und lernte im Verlauf des Nachmittags weitere Mitarbeiter und Volunteers kennen.


An meinem ersten Arbeitstag war einiges los im Amaru. Zuerst konnte ich mithelfen, einem Wolf einen frischen Verband am Bein anzulegen, das er vor einem Monat gebrochen hatte. Und dann musste eine Bärin von ihrem Gehege in einen Käfig gelockt werden, um sie in ein anderes Gehege zu bringen. Das war   kein einfaches Unterfangen und erst das Locken mit Honig und nach mehreren vergeblichen Versuchen gelangte es uns, sie in den Käfig zu bringen. Um 18.30 Uhr schloss ich meinen ersten Arbeitstag ab und fuhr in die Stadt zurück.

Aussicht auf Cuenca

Die nächsten Tage gestalteten sich abwechslungsreich und spannend. Am Vormittag hatte ich meine Spanischlektionen mit Daisy, wo wir viele interessante Texte durchnahmen und mir Daisy immer wieder von ihrem Leben in Cuenca und Ecuador erzählte. Einmal über Mittag gab es in der Schule noch eine Kochlektion, wo wir ein typisch ecuadorianisches Menu kochten : Tortillas de Yuca und Salat mit Avocado und Tomate. Am Nachmittag  fuhr ich mit dem Taxi zum Amaru und half ein paar Mal bei den Amphibien oder bei der Zubereitung der Mahlzeiten mit, hauptsächlich Früchte schneiden für die Affen, Vögel und viele andere Tiere.


Die ersten zwei Wochen waren nur so vorüber gerast und ich fühlte mich sehr heimisch in Cuenca. Die Märkte mit den vielen verschiedensten Früchten und Gemüsesorten, die vielen Essensstände faszinierten mich. Ich genoss es, in den Pärken zu lesen, den Flüssen entlang zu spazieren und an jeder Strassenecke von den Verkäufern Bananenchips, frische Mango, Ananas oder Wassermelonen zu kaufen. Einzig das Joggen und Treppensteigen bereitete mir noch immer Mühe, da Cuenca für mich auf ungewohnten 2500m ü.M. lag.

Früchte auf dem Markt in Cuenca

Nach zwei Wochen beendete ich meinen Spanischunterricht und arbeitete  nun am Vormittag von 8 bis 14 Uhr im Amaru. Der Arbeitsweg gestaltete sich immer wieder abenteuerlich. Für den Hinweg nahm ich zuerst den Bus und für das letzte Stück ein Taxi und wenn ich dem Taxifahrer dann sagte, wo ich hinwill, kannte er den Weg nicht und ich musste ihn hin lotsen. Oder er kannte den Weg und wusste, dass die Strasse dorthin in einem sehr schlechten Zustand war und verlangte das Doppelte. Für den Rückweg erwischte ich manchmal den Bus im Dörfli oder nahm sonst wieder ein Taxi. Und manchmal, wenn ich Glück hatte, nahm mich ein Mitarbeiter des Zoos mit in die Stadt.


Im Zoo hatte es immer Arbeit. Ich half hauptsächlich im Zubereiten der Mahlzeiten für die Tiere mit: Früchte schneiden, Kartoffel, Teigwaren und Eier kochen, Fleisch und Fisch zuschneiden. Dazu gehörte auch, Früchte vom Lieferanten entgegenzunehmen. Manchmal gab es auch Spenden von einem Markt und da waren die Früchte meist von schlechter Qualität und mussten grosszügig aussortiert werden. Einmal hatte ich die Tiefkühltruhen reinigen dürfen, die waren voller Blut, da darin das Fleisch gelagert wurde. Manchmal war auch harte Knochenarbeit gefragt: An vier Tagen hintereinander schleppten wir auf dem Rücken für zwei Stunden Sand in Säcken zu einem Gehege hinauf. Das war richtig anstrengend, nass und dreckig. Ab und zu durfte ich auch mit den Tieren arbeiten: Einmal mit einer Löwin und einmal mit einer Bärin trainieren. Das war interessant und spannend. Frische Äste und Gräser sammeln für die Gehege war auch immer wieder auf dem Tagesprogramm.

Affe im Bioparque Amaru Bär im Bioparque Amaru Löwe im Bioparque Amaru

Auch diese zwei Wochen verflogen im Nu. Ich hatte eine sehr kurzweilige Zeit. Die Löwen und Bären schloss ich in mein Herz. Die Mitarbeiter waren immer herzlich. Ausser vielleicht, wenn ich sie nicht ganz verstand (ich bin immer noch am Spanisch lernen), wurden sie ein bisschen ungeduldig. Einmal nach Feierabend gingen wir auch zusammen Fussballspielen.

Löwen im Bioparque Amaru

Nach 4 Wochen verabschiedete ich mich vom Amaru und 2 Tage später auch von meiner Gastfamilie und bestieg wieder den Bus nach Quito.

Autor

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Sandra .

Sandra ist mit Yalea bereits in Ecuador und Costa Rica gewesen hat atemberaubende Eindrücke in diesen faszinierenden Ländern gesammelt.

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