20 Mar 2018

Familiensprachreise in die USA

Erfahrungsberichte

Eine Sprachreise mit der ganzen Familie zu machen, ist ein besonderes Abenteuer. Fern vom normalen Familienalltag haben Kinder und Eltern die Gelegenheit in eine fremde Kultur einzutauchen, ihre Hemmungen vor der Fremdsprache zu verlieren und das Leben in anderen Teilen der Welt kennenzulernen. So haben es beispielsweise Esther und ihre Familie gemacht, die insgesamt acht Wochen in den Vereinigten Staaten verbrachten. Drei Wochen lang besuchten ihre Kinder die St Giles Sprachschulen in San Francisco und New York und hatten dazwischen bei einer Reise quer über den Kontinent oft Gelegenheit, ihre Sprachkenntnisse unter Beweis zu stellen. Ein einzigartiges Erlebnis, an dem uns Esther nun teilhaben lässt.

USA-Reise

Yalea: Was hat Sie dazu bewegt, eine Sprachreise mit der ganzen Familie in die Vereinigten Staaten zu machen?


Esther: Wir Eltern waren beide auch noch nie in den USA und wollten sehr gerne einmal dorthin reisen. Für eine Sprachreise haben wir uns entschieden, da Fremdsprachenerwerb für uns etwas ist, das mit positiven Gefühlen und mit Erlebnissen verknüpft sein muss. Es motiviert sehr, wenn man Leute kennenlernt, die man mag. Man vergisst die Anstrengung des Sprachenlernens, einfach weil es spannend ist und man kommunizieren möchte. Wir wollten unseren Kindern ermöglichen, sich auf unverkrampfte Weise in die Sprache reinknien zu können, und haben deshalb die Sprachreise mit Familienferien verbunden, indem wir zwischen den Kursen lange Strecken gereist sind und viel gesehen haben. San Francisco und New York eigneten sich gut als Destinationen, da Yalea dort die Family Courses anbietet und sie sehr gut in unsere Reiseroute passten. Gerade am Anfang sollten die Kinder sich ein bisschen in die Sprache einfinden, um sich auf der Reise auch ungehemmt ausdrücken zu können.


Yalea: Sie haben mit New York und San Francisco zwei der bekanntesten amerikanischen Städte kennengelernt und auch auf ihrer Rundreise einiges vom Land gesehen. Was hat Ihnen dort am besten gefallen?


Esther: San Francisco ist sehr schön gelegen, denn die Stadt ist ja fast gänzlich von Wasser umgeben. Es war auch toll, die Golden Gate Bridge einmal live zu sehen. Und die Stimmung in der Stadt ist sehr locker und offen und wir haben viele freundliche Leute kennengelernt. Auch die Lehrer, die den Unterricht gegeben haben, haben sich sehr engagiert. Einmal haben sie uns sogar in ein Theater eingeladen. Einer der Lehrer war Theaterdirektor in einem kleinen Quartiertheater, sodass wir ganz spontan noch etwas an Kultur mitbekommen haben. Er hat uns auch zu einem Baseballspiel eingeladen, was ebenfalls eine tolle Erfahrung war. Obwohl er uns alle Regeln erklärt hat, sind wir am Schluss immer noch nicht schlau daraus geworden. Aber es war trotzdem ein interessantes Erlebnis.
Zwischen den Sprachkursen sind wir dann viel gereist. Nach den ersten zwei Wochen in San Francisco haben wir einen Wagen gemietet und sind im Gebiet von Kalifornien, Arizona, Utah und Nevada durch die Nationalparks bis nach Las Vegas gefahren. Dort sind wir zwei Tage geblieben und dann weiter nach Kingman gefahren, das auf der Eisenbahnlinie der Amtrak von Los Angeles nach Chicago liegt. Wir haben uns gewünscht, die Weite der USA  zu erleben, und bei einer Zugfahrt bekommt man diese Tausende von Kilometern am besten mit. Von Chicago aus sind wir dann über die Niagara Falls ebenfalls mit dem Zug nach New York gefahren.
New York ist wieder ganz anders als San Francisco, aber auch sehr eindrücklich. Es ist einfach unglaublich, einmal in diesen Häuserschluchten zu stehen und das ganze Gewusel, die unzähligen Attraktionen, Museen und Sehenswürdigkeiten live zu erleben. Und es ist spannend, all die Kulturen zu erleben, die dort aufeinandertreffen, und die verschiedenen Quartiere kennenzulernen, die so typisch durch die jeweilige Ethnie geprägt sind. In New York waren wir interessanterweise auch in einem botanischen Garten, den Brooklyn Botanical Gardens, und es hat mich sehr beeindruckt, von der hektischen Stadt dann in einen botanischen Garten einzutauchen.
Nach der einen Woche in New York fuhren wir mit dem Zug weiter bis Orlando, wo wir einen Stopp in den Freizeitparks einlegten, und sind von dort bis in den Süden nach Miami gefahren. Da haben wir die Reise noch mit ein paar Strandtagen abgeschlossen.  

New York

Yalea: Wo haben Sie während der Sprachkurse gewohnt?


Esther: Das war unterschiedlich. In San Francisco hatten wir für diese zwei Wochen ein Häuschen gemietet und in New York haben wir uns ein Hotel ganz in der Nähe von der Schule gesucht. Das hat sich sehr bewährt, da am Morgen Programm ist und nachmittags noch die Exkursionen stattfinden. Man ist also schon ziemlich viel unterwegs und es war angenehm, am Morgen dann einfach einen kurzen Fussmarsch zur Schule zu haben. Das würden wir auch wieder so machen. Andere Schüler hatten morgens eine Anfahrt von einer Dreiviertelstunde und fanden das ziemlich anstrengend.


Yalea: Ihre Kinder sind 10, 12, 15 und 17 Jahre alt. Waren alle von ihnen beim Sprachkurs in derselben Gruppe oder konnten Sie verschiedene Kurse belegen? Wie war der Unterricht für sie aufgebaut?


Esther: In den ersten beiden Wochen in San Francisco war unsere 17-Jährige noch nicht dabei. Die anderen drei Kinder waren in der gleichen Gruppe. Das war für die ältere Tochter anfangs nicht so schön, weil sie sich ein bisschen unterfordert fühlte, aber es haben sich alle sehr bemüht und das war toll. Der Direktor der Schule gab ihr sogar eine Extra-Stunde, wo er mit ihr über Idiome gesprochen hat. Letztendlich war es auch okay, weil alle drei Kinder natürlich ganz Verschiedenes aus dem Kurs mitgenommen haben. Je nach Interesse und Fähigkeiten haben sie sich beispielsweise intensiver mit einem Text befassen können oder ihn ein bisschen oberflächlicher behandelt. Am Ende der Woche musste jeder eine Präsentation halten, beispielsweise über ein Land oder einen besonders schönen Ort, und das ist natürlich auch sehr individuell. In der letzten Woche in New York waren die Kinder aufgeteilt. Da konnten die ältere Tochter und der Sohn einen Kurs für junge Erwachsene besuchen und die anderen zwei waren ebenfalls in verschiedenen Gruppen. Aber gerade den zwei jüngeren Kindern hat der Unterricht in San Francisco besser gefallen. Darauf, ob das Niveau ganz perfekt stimmt, kommt es am Ende unserer Meinung nach auch gar nicht so an. Die Kinder hören den Lehrer sprechen, sie beschäftigen sich mit einem Thema, bereiten sich auf eine Exkursion vor und haben auf dieser Exkursion vielleicht auch eine kleine Aufgabe. Inhaltlich gab es ausserdem immer wieder Arbeitsblätter. Sie haben Lieder gesungen, Spiele gespielt und gelernt, wie der Wortschatz gebraucht wird. Das Mündliche, der Austausch, das Zuhören und Mitdiskutieren standen im Vordergrund – also einfach, die Sprache zu benutzen.


San Francisco

Yalea: Haben Ihre Kinder die Sprachkenntnisse während der Reise denn auch direkt angewendet?


Esther: Ja und es hat mich sehr gefreut, das zu erleben. Schon in San Francisco waren die Leute sehr aufgeschlossen und es haben sich beispielsweise in der U-Bahn oft Gespräche ergeben. Die Kinder haben auch in der eigenen Klasse mit den anderen Kursteilnehmern Kontakte geknüpft. Die Gruppe war ziemlich international durcheinander gewürfelt und miteinander Englisch zu sprechen wurde zur Selbstverständlichkeit. Das Schöne am Englischen ist, dass man sich ziemlich schnell gut damit durchschlagen kann. Vor allem bei unserer Jüngsten hat man das gemerkt. Sie hatte erst ein Jahr Englischunterricht in der Schule, hat da aber rasch das meiste sagen können, was sie wollte. Das ist dann ein Erfolgserlebnis.


Yalea: Die Kurse beinhalten auch ein Nachmittagsprogramm für die ganze Familie. Was haben Sie da unternommen?


Esther: Das waren ganz verschiedene, organisierte Ausflüge. In San Francisco gingen wir auf eine Bootsfahrt, einmal in ein Aquarium und einmal gingen wir im Golden Gate Park Pedalo fahren. Es war spannend, sich bei der Gelegenheit auch als Eltern ein bisschen kennenzulernen und von Leuten aus ganz anderen Erdteilen zu hören, was sie so erleben und wie es bei ihnen im Alltag so aussieht. Beispielsweise gab es Familien aus Taiwan, Kasachstan, der Türkei und Brasilien. Auch eine Tessiner Familie lernten wir kennen, mit denen wir uns ebenfalls auf Englisch verständigen mussten, weil sie Italienisch sprechen und wir Deutsch. Wir hatten viele Möglichkeiten zum Austauschen und haben einen Einblick in andere Kulturen bekommen. Ausserdem war es spannend zu hören, wie andere Amerika wahrnehmen, da man in der Hinsicht sehr vom eigenen Erleben zu Hause geprägt ist.


Yalea: Haben Sie oder Ihre Kinder diese Kontakte im Anschluss noch weiter gepflegt?


Esther: Ja, meine jüngste Tochter hat sich zum Beispiel mit dem Mädchen aus Kasachstan angefreundet und der Kontakt ist auch geblieben. Wir haben zu Weihnachten ein Päckchen nach Kasachstan geschickt und haben dann ein kasachisches Paket gekriegt. Das war eine schöne Überraschung.


Yalea: Was war für Sie das schönste Erlebnis auf dieser Reise?


Esther: Da gibt es viele. Einerseits war es sehr schön, so viel Familienzeit zu verbringen und so viele schöne Dinge in einem anderen Kontext als im Alltag zu sehen und zu erleben. Ansonsten berühren mich besonders Momente wie das Erlebnis, als der Sprachlehrer uns zum Baseballspiel eingeladen hat. Sie haben dort riesige Parkplätze, wo sie sich vor dem Spiel mit Freunden treffen. Jeder bringt etwas mit, sie grillen, setzen sich auf Klappstühle und essen noch etwas – und wir durften auch dabei sein. Es ist schön, wenn man so einen Einblick bekommt, so persönlich.
Sehr eindrücklich sind auch die Parks wie der Bryce Canyon und der Grand Canyon. All diese Farben, die Weite und diese Gesteinsformationen. Das ist ein spezielles Erlebnis, das man mit Worten gar nicht fassen kann. Es ist sehr bewegend.
Für die Kinder gab es auch ganz viele Highlights. Ich glaube, sie haben es sehr genossen, all diese berühmten und bekannten Orte zu besuchen: auf der Golden Gate Bridge gestanden zu haben, den Pier 39 und all die Seelöwen dort zu sehen, auf Alcatraz gewesen zu sein, zu erleben wie es in New York so zugeht und zu sehen, wie gross und imposant die Freiheitsstatue ist.


Pier 39

Yalea: Finden Sie, dass die gemeinsame Sprachreise Sie als Familie geprägt oder verändert hat?


Esther: Ja, auf jeden Fall. Es hat uns näher zusammengebracht. Es war eine tolle Zeit. Es hat uns sicher auch beschäftigt, diese verschiedenen Lebensentwürfe zu sehen, also Menschen zu treffen, die mit so viel weniger durchkommen müssen, oder Leute, die uns erzählt haben, wie wenig Ferien sie haben, oder auch Menschen, die gar nicht die Möglichkeit haben, so weit zu reisen. Das macht einen sehr dankbar und man merkt, wie privilegiert man eigentlich ist. Und es war schön zu erleben, dass die Leute sehr offen waren. Auch wenn wir Menschen getroffen haben, die in ihrem Leben höchstens einmal bis nach Vegas reisen oder Disney World in Orlando besuchen, haben sie sich mit uns gefreut, dass wir selbst an all diese schönen Orte reisen konnten. Das ist eine Qualität der Amerikaner, dass sie sich einfach so grundsätzlich freuen.


Yalea: Was haben Ihre Kinder durch diese Erfahrung ausser Sprachkenntnissen noch für Ihre Zukunft mitgenommen?


Esther: Eine unserer Töchter hat schon gesagt, sie werde sicher einmal für ein paar Jahre nach Amerika ziehen. Ich glaube, es war wirklich sehr bereichernd, verschiedenste Menschen anzutreffen und die einen oder anderen auch ein bisschen kennenlernen zu können. Es bringt auf jeden Fall eine gewisse Offenheit, zu erleben, dass noch ganz andere Lebensentwürfe möglich sind als bei uns. Ich denke, es nützt ihnen ausserdem sehr, zu realisieren, wie wichtig Sprache ist und wie unangenehm es ist, wenn man mit einem interessanten Gegenüber sprechen möchte und sich nicht so gut ausdrücken kann. Das hat die Kinder sehr ermutigt, dran zu bleiben und die Sprache wirklich zu lernen. 

Ich denke aber, bei jedem meiner Kinder würde die Antwort auf diese Frage anders tönen. Jeder hat auf seine Art etwas für sich mitgenommen: entweder eine Freundschaft, die ihm bleibt, oder eindrückliche Naturerlebnisse oder spannende Begegnungen dort vor Ort. Es war auch sicher spannend, sich selber ein bisschen einschätzen zu lernen. Sie haben von den Lehrern Feedback bekommen und konnten so sehen, wo sie stehen und was sie noch lernen möchten. So hat sich unser zweitjüngster Sohn beispielsweise dazu entschieden, das First [i.e. Cambridge First Certificate] zu machen, obwohl es von der Schule eigentlich nicht vorgesehen ist.


San Francisco Pier

Yalea: Versuchen Sie auch, die Englischkenntnisse gemeinsam aufrechtzuerhalten?


Esther: Ja, und das ist wirklich lustig. Ab und zu ergibt es sich, dass wir sagen: „Ach komm, wir sprechen jetzt einfach Englisch“. Filme gucken vor allem unsere Älteren jetzt auch bewusst ohne Untertitel. Wir haben auch Nachbarn, die Englisch sprechen. Von daher haben sie schon immer wieder die Gelegenheit, die Sprache zu gebrauchen. Man merkt, dass sie sich im Englischen sicherer fühlen, und ich glaube, sie benutzen es jetzt auch aktiver – ob es nun in der Schule oder mit Bekannten sei. Sie haben ein grosses Stück Hemmung verloren, sind selbstbewusster geworden und wissen, dass sie fast alles sagen können, was sie wollen. Und an den Details arbeiten wir weiter.


Yalea: Planen Sie, noch einmal eine solche Reise zu machen?


Esther: In diesem Ausmass war das sicher eine einmalige Reise. Wir haben allerdings schon mal eine Familiensprachreise nach Frankreich gemacht, und solange alle Kinder in der Schule sind, werden wir jetzt nochmals nach Frankreich reisen. Es gefällt uns, die Sprache mit den Ferien zu verknüpfen, das Schöne mit dem vielleicht noch ein bisschen Unangenehmen. Man merkt dann schnell, dass man da hineinwächst und es eigentlich Spass macht, wenn man einfach drauf los spricht. Und durch die Fehler lernt man viel mehr, als wenn man vor lauter Angst den Mund nicht öffnet.


Brooklyn Botanischer Garten

Yalea: Haben Sie Tipps für andere Familien, die gemeinsam auf Sprachreise gehen wollen?


Ester: Es ist auf jeden Fall gut, sich genügend Zeit einplanen, wenn man auch noch reisen und das Land erkunden möchte. Und bei Yalea buchen. Wir waren sehr zufrieden und wurden mit vielen hilfreichen Tipps gut vorbereitet. Und am Anfang der Reise wurde nachgefragt, wie es geht und ob alles klappt. Wir wurden wirklich sehr gut betreut und mit Informationen versorgt.


Interview durchgeführt von Franka Leehr

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