22 Sep 2017

Santiago - eine Stadt der Vielfalt

Reise Insider

Santiago - wo liegt das? In Chile, am anderen Ende der Welt. Dort leben Menschen? Ja - in der Hauptstadt Chiles leben fast so viele Einwohner wie in der Schweiz zusammen (ca. 7 Mio.).


Chile gilt für Naturliebhaber bereits als das Land der Kontraste. Im Norden liegt die trockenste Wüste der Welt, der Süden beherbergt riesige Gletscher und süsse Pinguine. Doch nicht nur die Natur zeigt sich in Chile vielseitig, auch in der Hauptstadt mangelt es nicht an Gegensätzlichkeiten. Während man sich in den Nachbarschaften im Osten Santiagos wohl nicht immer in einer südamerikanischen Stadt wähnt, ändert sich die Umgebung gen Westen stets und Wolkenkratzer machen einfacheren Bauten Platz.


Die Kontraste der Hauptstadt zeigen sich am offensichtlichsten in den verschiedenen Stadtvierteln…

Barrios en Santiago - Stadtviertel

In der ganzen Stadt können Wolkenkratzer gesehen werden. Trotzdem versprühen die verschiedenen Viertel jeweils einen ganz eigenen Charme.


Barrio Bellavista

Als Ausgehviertel bekannt lockt das Barrio Bellavista mit Restaurants, Bars und Discos nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische an. Tagsüber können die vielen Graffitis an den Wänden bestaunt werden.


Barrio Bellavista

Barrio Lastarria

Das Barrio Lastarria erinnert mit dem Kopfsteinpflaster und den Altbauten an den europäischen Einfluss und vergangene Zeiten. Dieses Viertel lädt vor allem im Sommer zum flanieren ein. Im Winter wird auch hier gut gegessen und getrunken.


Santiago Centro

Santiago Centro und damit auch das Barrio Brasil und Barrio Yunguay sind vor allem (aber nicht nur) bei Studenten beliebt. In diesen alternativen Vierteln sind einerseits die Preise günstiger als im Osten der Stadt und die Strassen und Parks besonders belebt.


Barrio Italia

Das In-Viertel Barrio Italia lockt mit seinen Designer-Geschäften und alternativen Cafés. Wer auf der Suche nach Secondhand-Möbeln (oder solchen, die zumindest so aussehen) ist, wird hier definitiv fündig!


Sanhattan, Las Condes und Vitacura

Übergang zu den reicheren Stadtteilen bildet Sanhattan, der Finanzdistrikt. Weiter östlich finden sich Las Condes und Vitacura, die vor allem als Wohnviertel gelten, aber auch einige exquisitere Hotels sowie Restaurants und Kliniken beherbergen.

Tradition & Moderne

Nebst den unterschiedlichen Bauten lässt sich der Spagat zwischen Tradition und Moderne auch sonst erahnen. Besonders zeigt sich dies um den Nationalfeiertag, den 18. September, rum. Hier wird auf den Fondas - Feste im Freien, meist in Parks - getanzt, traditionelles Essen wie Empanadas - gefüllte Teigtaschen - verzehrt und Terremotos getrunken. Der Namen dieses Getränks kommt nicht von ungefähr. So gilt Chile als Erdbebenland, erzieht es sich entlang des Pazifischen Feuerrings. Gleichzeitig sorgt das Getränk Terremoto doch recht schnell und gewaltig (wie eben ein Erdbeben) für einen Rausch. Während des Dieciocho (18.) präsentieren Schulklassen Tanzeinlagen in traditionellen Trachten und auch die Kultur der Mapuche, dem indigenen Volk Chiles wird Ehre gebührt. So finden auch während des Jahres immer wieder traditionelle Märkte statt. Unter anderem erinnert der Markt Santa Lucía das ganze Jahr über daran, dass Chile nicht bloss aus der Metropole Santiago besteht und vertreibt kulturelle Güter und Souvenirs, welche ihre Wurzeln in den Anden oder im Süden des Landes haben.

Santiago de Chile

Los Cerros - Natur in und um Santiago

Du dachtest, Santiago besteht nur aus unzähligen Häusern, Luftverschmutzung und viel Lärm? Falsch gedacht! Inmitten der Stadt befinden sich zahlreiche Parks, die zum Erholen einladen. Ebenso befinden sich so einige Hügel, die darauf warten, erklimmt zu werden. Der Hausberg Santiagos, der Cerro San Cristóbal, kann sowohl zu Fuss wie auch per Luftseilbahn entdeckt werden. Doch das wahre Highlight liegt darin, die Spitze, gleich bei der Statue der Jungfrau María, mit dem Mountainbike zu erreichen. Weiter lohnen sich Ausflüge auf den kleineren Cerro Santa Lucía und den in Las Condes gelegenen Cerro Manquehue, dessen Aufstieg mit 700 Höhenmetern mit einer atemberaubenden Aussicht auf Santiago belohnt wird.


Weitere Entdeckungen gibt’s in den Anden! In nur 1 - 2 Stunden Fahrt von Santiago aus können Ausgangspunkte für Wanderungen in der längsten Gebirgskette Südamerikas erreicht werden.


Santiago de Chile

La Cordillera y el Pacífico - Die Anden und der Pazifik

Santiago liegt direkt neben den Anden. Immer wieder erhascht man so inmitten der Millionenstadt einen atemberaubenden Blick auf die ‘Cordillera’, wie sie die Chilenen liebevoll nennen. Im Winter lädt dies ein, um mit den Skiern oder dem Snowboard den Berg runter zu flitzen. Im Sommer können Trekkingtouren unternommen werden.


Doch wer dachte, Gebirgskette und Meer existieren nur über riesige Entfernungen, der war noch nie in Santiago! Hier können die Gipfel der Anden in 1.5 Stunden Autofahrt erreicht werden. Wer Richtung Westen steuert, kann in dieser Zeit aber ebenso am Strand landen. Dort warten die beliebte Küstenstadt Viña del Mar und der alternative Hafenort Valparaíso darauf, entdeckt zu werden! Wer sich etwas mehr Zeit nehmen kann, der erreicht weiter südlich einen sehr beliebten Surfspot - Pichilemu.


Die chilenische Hafenstadt Valparaíso

El clima - Das Klima Santiagos

Santiago liegt zwar in Südamerika, aber nein, hier werden nicht das ganze Jahr über Cocktails geschlürft - oder zumindest nicht bei 25 Grad Aussentemperatur. Anders als von vielen Europäern erwartet, herrscht in Santiago mediterranes Klima - sprich im Winter kann es ganz schön frisch werden und (stark) regnen. Der Sommer zeigt sich dafür mit trockenen 30 Grad und mehr von seiner schönsten Seite. So dauert er auch nicht nur ein, zwei Monate sondern schon im Oktober steigt das Thermometer regelmässig auf über 25 Grad und erreicht im Januar und Februar seinen Höhepunkt. Aber wer denkt, das war’s dann auch schon mit den sommerlichen Temperaturen, liegt nicht ganz richtig. Bis Ende März zeigt sich Santiago von seiner trockenen und warmen Seite, so regnet es während des Sommers äussert selten.

Dementsprechend sind auch die Outdoor-Aktivitäten hier vielseitig und (fast) grenzenlos.


Los carretes - Feiern in Santiago

Ausgehen an einem Montag? Dienstag? Mittwoch? In so manchen Städten Europas undenkbar, in Santiago Alltag. Hier steigen die «carretes» (chilenisch für Parties) die ganze Woche. Von den Salsotecas über Rock-Konzerte, Reggaeton-Tunes zu Technoschuppen, hier findet jede(r) Musikliebhaber(in) etwas für die Ohren! Wer es ruhiger mag, kann sich in einem der unzähligen Restaurants verköstigen lassen. Sehr beliebt sind natürlich auch die Asados (Grillfeste) bei den Chilenen zuhause. So bringt jede(r) was zu trinken mit, das Fleisch wird auf dem Grill gebrutzelt und es wird getanzt, gelacht und natürlich gespeist.

La comida y los copetes - Kulinarisches

Für viele Europäer gilt Asien als Hotspot des guten Essens. Nur wenige wissen, dass in Lateinamerika ebenso schmackhafte Gerichte zu finden sind. Dabei hat jedes Land seine eigenen Spezialitäten. Fleischesser kommen in Chile sowieso auf ihre Kosten, sei dies bei einem Asado (Grillfest), in den vielen Restaurants, die in der ganzen Stadt verteilt sind, oder im Mercado Central, bei dem sämtliche lokale Spezialitäten serviert werden.


Comida - Essen

Besonders beliebt sind nebst dem Fleisch Porotos (Bohnen), Choclo (Mais), Palta (Avocado), aus denen sich die köstlichsten Gerichte, wie la Cazuela, el Pastel del Choclo, las Empanadas, oder el Ceviche zaubern lassen. Aber auch Vegetarier kommen in Santiago immer mehr auf ihre Kosten. So öffnen immer mehr vegetarische Restaurants ihre Tore und auch in den Supermärkten vergrössert sich die Auswahl vegetarischer und veganer Alternativen stetig.


Chilenisches Essen

Copetes - Getränke

Die Chilenen lieben Softgetränke, meist aus den USA stammend. Doch selbstverständlich haben sie auch hier ihr eigenes Kontrast-Programm parat. Nebst dem weltbekannten chilenischen Wein wird gerne Pisco getrunken. Dies ist ein Traubenschnaps, der gerne in Kombination mit Coca-Cola, Sprite oder als Pisco Sour konsumiert wird. Wer es ausgefallener mag, oder im September in Santiago ist, für die/den wird ein Terremoto (dt. Erdbeben) serviert. Dieses traditionelle chilenische Getränk, welches wahrscheinlich in der La Piojera, beim Mercado Central, erfunden wurde, besteht aus Weisswein, Ananas-Eis, Fernet (oder sonst einem bitteren Likör) und Grenadine. ¡Salud!

La cultura (chilena) - Kulturelles

Auch Kulturell hinkt Santiago nicht hinterher. Immer wieder finden Ausstellungen von internationalen Künstlern, wie z.B. Andy Warhol statt. Andererseits wird aber auch die eigene Kultur und Identität des Landes mit Stolz gezeigt. So werden chilenische Filme zelebriert, nationalen Musikern zugejubelt und Gedichte des bekanntesten chilenischen Poeten Pablo Neruda gelesen. Auch die Vergangenheit Chiles (mit unter anderem der Militärdiktatur zwischen 1973 und 1990) wird im Museo de la memoria y derechos humanos ein Stück weit aufgearbeitet und verewigt, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.


Chile - und Santiago als Hauptstadt - ist und bleibt ein Land der Kontraste. Dies nicht nur in den offensichtlichen Aspekten wie in der Natur. So sind auch die Chilenen uns Europäern bestimmt ähnlicher als andere lateinamerikanische Völker und trotzdem in vielen Aspekten sehr verschieden.


Die chilenische Flagge

Autor

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Kristina .

Kristina lebt in Santiago de Chile. Sie reist gerne durch dieses faszinierende Land der Kontraste und lernt die Kultur der Chilenen genauer kennen.

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