16 May 2017

Malta - Eine kleine Insel mit grossem historischen Einfluss

Reise Insider

Ein Versuch, Malta mit wenigen Worten zu beschreiben, klänge bei den meisten Menschen wahrscheinlich ungefähr so: „Malta ist ein kleiner Inselstaat im Mittelmeer mit azurblauem Wasser, viel Sonne, freundlichen Einwohnern und einer Menge Touristen.“ Wer jedoch genauer hinsieht, kann auf dem Archipel viel mehr entdecken, als sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Seine bewegte Geschichte hat Spuren hinterlassen, die sich bis heute in allen Bereichen des Lebens wiederfinden und Malta zu einem einzigartigen Ort machen, der bei jedem Besuch aufs Neue verzaubert.

Malta Valletta

Durch seine strategische Lage zwischen Sizilien und Tunesien lag Malta schon immer im Zentrum der Aufmerksamkeit der in der Mittelmeerregion vorherrschenden Mächte und war deshalb auch immer wieder dem Einfluss verschiedener Kulturen ausgesetzt. Phönizier, Karthager, Römer, Byzantiner und Araber beherrschten die Inseln, gefolgt von Normannen, Deutschen und Spaniern. Im frühen 16. Jahrhundert liess sich dann mit dem französisch geprägten Johanniterorden eine der mächtigsten Organisationen der Neuzeit auf Malta nieder, die das Land nachhaltig beeinflusste. Auch die letzte Kolonialmacht, nämlich das Britische Empire, hinterliess ihre Spuren auf der Insel und trug dazu bei, Malta zu dem faszinieren Ort zu machen, der es heute ist.


Maltas abwechslungsreiche Vergangenheit spiegelt sich in seiner Architektur, seiner Sprache und selbst in seiner Küche wieder und scheint in der Gegenwart weiterzuleben. Die Hauptstadt Valletta, die seit 1980 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und 2018 Kulturhauptstadt Europas ist, wurde von den Johannitern nach einer Belagerung durch die Osmanen im Jahr 1565 errichtet und lädt noch heute dazu ein, von den Zeiten der Ritter und Korsaren zu träumen. Von aussen durch imposante Festungen gegen Angriffe geschützt, finden sich im Inneren der Stadt eine Vielzahl von Kirchen mit erhabenen Kuppeln und Türmen, reich verzierte Paläste und elegante Wohnhäuser, deren bunte Holzerker in die Strassen und Gassen der Altstadt hinein ragen. Ein Erbe der Kolonialzeit sind die typisch britischen Telefonzellen und Briefkästen, deren leuchtendes Rot sich von den Kalksteinmauern der historischen Bauten Vallettas abhebt.

Englische Telefonzelle auf Malta

Der Einfluss der einstigen Machthaber macht sich auch sprachlich bemerkbar. Englisch ist eine offizielle Amtssprache und viele Malteser beherrschen sowohl das Englische als auch die autochthone Sprache Malti, die einzigartig in Europa ist. Malti ist eine linguistisch faszinierende Verschmelzung der verschiedenen Sprachen, die die beherrschenden Mächte mit auf die Inseln brachten. Aus dem arabischen Dialekt, der auf der Insel gesprochen wurde, entstand so im Laufe der Zeit eine einzigartige Sprache mit lateinischen Buchstaben, starken italienischen Einflüssen und einer grossen Zahl an Lehnworten aus dem Französischen und Englischen.


Auch die maltesische Küche ist aussergewöhnlich, und die verschiedenen lokalen Köstlichkeiten kennenzulernen, ist bei einem Urlaub auf Malta ein Muss. Landestypische Gerichte verbinden die verschiedenen kulturellen Einflüsse der Insel – vor allem die des nahegelegenen Siziliens – und berücksichtigen die klimatischen und geographischen Gegebenheiten, die den landwirtschaftlichen Anbau auf den Inseln prägen. So werden hauptsächlich lokale Produkte wie etwa Tomaten und Oliven verwendet, die gut im mediterranen Klima wachsen.

Maltesische Küche

Ein kulinarisches Highlight in Malta ist Lampuki Pie, der Elemente der britischen, italienischen und arabischen Küche kombiniert. Rezepte für diese Fischpastete aus Lampuka (Goldmakrele), Tomaten, Oliven, Minze und Zitrone werden von Generation zu Generation weitergegeben und schmecken in jedem Haushalt anders. Ein weiteres typisches Gericht ist Timpana. Dieser Makkaroni-Hackfleisch-Auflauf ähnelt italienischer Lasagne und wird traditionell an Weihnachten serviert. Auch eine eigene Art Fastfood gibt es auf Malta. Die beliebten Blätterteigtaschen Pastizzi werden meist mit Ricotta oder Erbspüree gefüllt und als Snack in Pastizzerijas verkauft. Das Nationalgericht Maltas ist Stuffat tal-fenek, ein Kanincheneintopf mit Rotwein und Gemüse. Bei einer traditionellen Fenkata, einer Art Festmahl im Kreis von Freunden und Familie, wird dieser mit Spaghetti, Kartoffeln und Brot gegessen. Kein Besuch in Malta wäre perfekt, ohne Kinnie zu probieren. Diese Limonade wird aus Bitterorangen und Kräutern hergestellt und in Malta mit Leidenschaft getrunken. Sie ist so beliebt, dass maltesische Expats sie mit ins Ausland genommen haben. So wird Kinnie inzwischen beispielsweise auch in Australien produziert.


Malta

Malta ist einmalig. Es ist ein verwirrender Ort, wenn man erwartet, dass die Dinge bestimmten Regeln folgen – sei es linguistisch, historisch oder kulinarisch. Es ist ein bezaubernder und inspirierender Ort, an dem Kulturen miteinander verschmelzen und gemeinsam zu etwas Neuem werden. In Malta lebt die Vergangenheit in der Gegenwart weiter und dies ist überall zu spüren.


Autor: TeaTime-Mag

Aus dem Englischen übersetzt von: Franka Leehr

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