5 Apr 2017

10 Gründe für einen Citytrip nach Edinburgh

Reise Insider

Wann immer mich das Fernweh packt, wandern meine Gedanken als Erstes nach Edinburgh. Die schottische Hauptstadt und meine Heimat für viele Jahre ist der ideale Ort für einen Städtetrip. Die Stadt ist so klein, dass fast alle Sehenswürdigkeiten zu Fuss erreichbar sind, aber andererseits gross genug, um viel, wirklich sehr viel Abwechslung zu bieten. Hier die zehn Dinge, die mich an Edinburgh besonders begeistern:

1. Seine Schönheit

Eigentlich ist die ganze Stadt ein einziges Denkmal. Selbst, wer sich lange in Edinburgh aufhält, wird immer wieder neue Prachtbauten oder verwinkelte kleine Gassen mit verträumten Cottages entdecken. Man kann sich einfach nicht sattsehen an Edinburghs Schönheit. Doch nicht nur das imposante Edinburgh Castle, das auf dem Gipfel eines erloschenen Vulkans über der Stadt thront, die malerische Old Town mit ihren hohen Häusern, verwinkelten Gassen und schmalen Treppen oder die elegante New Town mit ihren georgianischen Bauten machen Edinburghs einzigartigen Charme aus. Besonders reizvoll finde ich auch seine vielen kleinen Stadtteile und Viertel mit ihren Eigenarten. Da sind zum Beispiel das bunte Marchmont nahe der Universität, das elegante Morningside mit seinen Villen oder das idyllische Dean Village am Fluss Water of Leith, die nur darauf warten, erkundet zu werden.

View of Edinburgh

2. Seine Geister, Gauner und Gruselgestalten

Es spukt in Edinburgh. Falls du das noch nicht aus deinem Reiseführer weisst, wirst du es spätestens bei deiner ersten Stadtführung erfahren. Vielleicht spürst du beim Besuch einer der Friedhöfe einen kalten Lufthauch im Nacken oder du wirst in den Edinburgh Vaults oder den unterirdischen Gassen des Mary King’s Close (alle übrigens sehr sehenswert!) von einer unsichtbaren Hand auf die andere Seite des Raums gezogen. Dann hast du Bekanntschaft mit einem der Geister gemacht, die in Edinburgh ihr Unwesen treiben.

Selbst für die, die nicht an Gespenster glauben, ist Edinburgh der ideale Ort, um der Phantasie freien Lauf zu lassen. In seiner Vergangenheit wimmelt es von zwielichtigen Gestalten, die die Vorlage für alle möglichen Schauermärchen bieten. Da wären beispielsweise die Mörder Burke und Hare, die das Edinburgh Medical College mit frischen Anatomieleichen versorgten, oder Deacon Brodie, dessen Doppelleben Robert Louis Stevenson zu seinem Roman über Dr. Jekyll und Mr. Hyde inspirierte. Während Brodie nämlich tagsüber ein angesehener Handwerker und Mitglied des Stadtrates war, beraubte er nachts als Dieb und Einbrecher die wohlhabenden Bürger. Doch nicht nur Halunken, sondern auch Helden hat die Stadt hervorgebracht. So basiert zum Beispiel der Charakter des wohl berühmtesten Detektivs der Welt auf dem Vorbild von Arthur Conan Doyles Medizinprofessor Dr. Joseph Bell.

Edinburgh alley

3. Es ist der Geburtsort von Harry Potter

Wo wir gerade von Inspirationen sprechen: Wenn du dich jemals gefragt hast, woher J.K Rowling die Ideen für ihre Bücher hatte, musst du unbedingt das Café Elephant House besuchen. Die grossen Fenster des Hinterzimmers überblicken den ebenso malerischen wie gespenstischen Friedhof von Greyfriars, auf dem Tom Riddle, alias Lord Voldemort, sowie der Dichter und Namensgeber für Harry Potters Lehrerin, William Topaz McGonagall, begraben sind. Dahinter erheben sich das majestätische Edinburgh Castle und die einem Schloss ähnelnde Privatschule George Heriot’s School, die als Vorbild für Hogwarts gedient haben soll. Für Harry Potter-Fans gibt es übrigens kostenlose Themenführungen durch Edinburgh entlang des sogenannten Potter Trails.

4. Seine Parks

Edinburgh ist eine der grünsten Städte, die ich kenne. Die gepflegten Princes Street Gardens zwischen Alt- und Neustadt, die Besucher meistens als Erstes entdecken, sind winzig im Vergleich zu den anderen Edinburgher Parks. Mitten in der Stadt liegen die exotischen Royal Botanic Gardens, der wilde Holyrood Park, der einen Vorgeschmack auf die karge Landschaft der Highlands bietet, und die weitläufigen Meadows, in denen bei gutem Wetter Festivalstimmung herrscht. Die halbe Stadt scheint sich dann zum Grillen, Sonnenbaden, Musizieren, Slacklining und Frisbee Spielen zu versammeln.

Mein Favorit und vielleicht ein Geheimtipp unter den Parks ist jedoch Hermitage of Braid and Blackford Hill. Denn hier kannst du nicht nur die Natur geniessen, sondern auch den besten Ausblick über Edinburgh vor dem Panorama des Meeresarms Firth of Forth und dem dahinter liegenden Kingdom of Fife.

Holyrood Park

5. Seine Geschichte

Dass Edinburgh ein Ort von historischer Bedeutung ist, steht ausser Frage. Was die Stadt jedoch zu etwas Besonderem macht, ist die Lebendigkeit seiner Geschichte. Wo du auch hinsiehst, wirst du mit seiner glorreichen und öfter noch mit seiner schaurigen Vergangenheit konfrontiert. Sei es eine Kanonenkugel, die zwischen den Mauersteinen in einem Haus steckt, die Silhouette eines Galgens auf dem Boden eines ehemaligen Hinrichtungsortes oder der in historische Gewänder gekleidete Touristenführer, der Zuhörende über die düsteren Details des Lebens und Sterbens im alten Edinburgh aufklärt. Die Vergangenheit ist in Edinburgh zum Greifen nah und du kannst nach Herzenslust darin eintauchen.

Edinburgh Castle

6. Seine Museen

Was wäre eine Städtereise ohne den einen oder anderen Museumsbesuch? Das Tolle an Edinburgh ist, dass viele Museen kostenlos sind. So kannst du immer wieder zurückkommen und dir für die einzelnen Ausstellungen so viel Zeit lassen, wie du möchtest. Eine meiner ersten Anlaufstellen in Edinburgh ist immer das National Museum of Scotland. Neben seinen fantastischen Sammlungen zur schottischen Kultur- und Naturgeschichte gibt es hier auch interessante Kuriositäten wie das geklonte Schaf Dolly und faszinierende Ausstellungen über andere Kulturen. Aber auch die kleineren Museen in der Altstadt, die sich mit dem Leben in Edinburgh beschäftigen, sind einen Besuch wert. Dazu gehören das Museum of Edinburgh, The People’s Story und das Museum of Childhood. Mein Favorit liegt versteckt in einer kleinen Gasse: das Writer’s Museum mit seinen Ausstellungen über die schottischen Autoren Sir Walter Scott, Robert Burns und Robert Louis Stevenson.

7. Seine Dichter und Denker

Diese drei Gentlemen sind übrigens nicht die einzigen genialen Köpfe, die Edinburgh so hervorgebracht hat. In der Philosophie und Wirtschaftswissenschaft zählen zum Beispiel David Hume und Adam Smith zu den grossen Vordenkern. In der Literatur haben auch James M. Barrie, der Schöpfer von Peter Pan, der in Edinburgh studierte, und Sir Arthur Conan Doyle Weltruhm erlangt. Heute hat Edinburgh den Status einer UNESCO Literaturstadt und ist der Wohnort berühmter Autoren wie Ian Rankin, Alexander McCall Smith und J.K. Rowling. 

8. Seine Pubkultur

Ein richtiger Pub ist so viel mehr als nur eine Kneipe. Viele der Pubs in Edinburgh können auf eine lange Geschichte zurückblicken und laden mit ihrer gemütlichen Atmosphäre, den bequemen Bänken und den mit Schnitzereien verzierten Bars dazu ein, bei einem Dram Whisky oder einem Pint Ale den Tag ausklingen zu lassen. Möglichst viele Pubs in möglichst kurzer Zeit können Hartgesottene bei einem Pub Crawl kennenlernen, bei dem sie nacheinander in verschiedenen Pubs ein Pint trinken. Wie das Ganze in der Regel endet, steckt eigentlich schon im Namen: auf allen Vieren krabbelnd. Natürlich kann man so eine Pub Tour auch mit einer Prise Kultur würzen: bei einem Literary Pub Crawl mit Lesungen in den Lieblingskneipen von Rabbie Burns, Sir Arthur Conan Doyle und Co.

Edinburgh Pubs

9. Seine Festivals

Jedes Jahr im August wird ganz Edinburgh zu einer Bühne für Strassenkünstler, Schauspieler, Musiker und Comedians. Beim Festival Fringe treten die Künstler neben klassischen Theatersälen auch in Pubs, Zelten, auf der Strasse oder sogar in privaten Wohnzimmern auf. Zeitgleich finden ausserdem das Edinburgh International Festival und das Royal Edinburgh Military Tattoo statt, bei denen Fans von klassischer Musik, Militärkapellen und spektakulären Shows auf ihre Kosten kommen. Grossartig ist auch Hogmanay, das schottische Silvester. In Edinburgh wird das neue Jahr mit einer riesigen Party und fantastischen Feuerwerken über dem Castle begrüsst. Die kann man übrigens auch sehen, ohne Tickets für die Streetparty zu kaufen. Der beste Aussichtspunkt dafür: die North Bridge zwischen der Alt- und der Neustadt.

10. Es ist soooo schön schottisch

Als Letztes noch ein tiefer Griff in die Klischeekiste: Kilts und Dudelsäcke gehören in Edinburgh tatsächlich zum alltäglichen Bild. Anders als die Touristen, die sich im Souvenirshop mit günstigen Schottenröcken made in China einkleiden, tragen die Einheimischen ihren Kilt jedoch nur zu Feierlichkeiten und offiziellen Anlässen. Zum Outfit gehören ausserdem ein weisses Hemd, Fliege und Jackett, der Sporran, eine fellbesetzte Tasche, Kniestrümpfe und der Sgian dubh, ein kleines Messer, das im rechten Strumpf getragen wird. Dudelsackspieler sind ebenfalls bei jeder grösseren Feier dabei und begleiten diese musikalisch. Falls das für dich alles ein bisschen steif und langweilig klingt, solltest du unbedingt einen Ceilidh besuchen, einen Tanzabend mit schottischer Musik. Jung und Alt wirbeln hier in Kilts und Röcken zu modernen Versionen traditioneller schottischer Lieder durch den Tanzsaal. Spass ist dabei garantiert und möglicherweise erhältst du sogar eine Antwort auf die ewige Frage, ob Schotten unter ihrem Kilt eigentlich auch etwas drunter tragen.

Schottland Dudelsack

Autor

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Franka Leehr

Ich bin Sprachaholic, Globetrotter und Hobbyphotographin und liebe es, durch fremde Länder zu streifen und das Leben in anderen Kulturen kennenzulernen. Nach mehreren Jahren des Nomadendaseins auf dem europäischen Festland und den Britischen Inseln erkunde ich zurzeit meine deutsche Heimat mit neuen Augen.

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